Die Grüne Basis ist Boss - Wetzlarer Neue Zeitung

Gastbeitrag 26.11.2016

 

Kürzlich hat Bundeskanzlerin Merkel feierlich erklärt, noch einmal antreten zu wollen. Sie habe lange mit sich gerungen, bevor sie entschieden habe. In der SPD gibt es wenigstens zwei, die mit sich bzw. miteinander ringen, Sigmar Gabriel und Martin Schulz. Die Entscheidung über den Kandidaten der Sozialdemokraten werden die beiden Herren miteinander ausmachen. Wir Grünen gehen einen anderen, einen demokratischen Weg. Bei uns gibt es eine echte Wahl des Spitzenpersonals für die Bundestagswahl 2017. Die Grünen Mitglieder entscheiden. Als einzige Partei setzten wir konsequent auf Beteiligung. Die Grüne Basis ist Boss.

 

Das hat etwas mit der Grünen Idee der Basisdemokratie zu tun. Aber mehr noch als um Parteitradition geht es um demokratische Grundwerte. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ steht in Artikel 20 Grundgesetz. Demokratische Einmischung ist nicht nur erlaubt – sie wird von uns gewünscht und gefördert. Wir sind überzeugt, dass die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen nur gemeinsam und unter demokratischer Beteiligung aller Gruppen bearbeitet werden können. Eine Ursache für das Aufkommen populistischer und ausgrenzender Strömungen sind mangelhafte Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe.

 

Der Weg der Basisdemokratie ist für Parteien und ihr Spitzenpersonal ein riskantes Abenteuer – nicht erst in Zeiten von Trump-Wahl und Brexit. Das Mitglied ist ein unbekanntes Wesen. Aber die Gefahr der Niederlage gehört zum demokratischen Wettbewerb dazu. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Dynamik, die aus der Möglichkeit zur Beteiligung entsteht, positiv politisierend wirkt. Der Zuwachs an Mitgliedern im Vorfeld der Urwahl zeigt es: Die Menschen wollen gefragt werden. Sie wollen mitreden, und sie wollen selbst entscheiden, wer sie in Berlin vertritt. Beteiligung ist ein Teil der Antwort auf die Verdrossenheit mit der Politik.

 

So erleben wir Grüne gerade einen konstruktiven und auch heftigen Diskurs um Themen und Personen. Katrin Göring-Eckardt, Robert Habeck, Toni Hofreiter und Cem Özdemir werben bis zur Urwahl im Januar 2017 für ihre Positionen. Die Debatten sind keine Nabelschau. Sie wenden sich an alle Bürgerinnen und Bürgern, auch denjenigen, die nicht Mitglied der Grünen sind oder sich nicht einmal vorstellen können, uns zu wählen. Nehmen Sie diese Einladung zur Diskussion an. Schlussendlich entscheiden Sie im kommenden Herbst vor allem über Ihre eigene Zukunft.