„Deutsches Personal in den Vereinten Nationen“

Öffentliche Anhörung am 16.06.2015

 

 

Die Prävention von Konflikten – das hat die jüngste Debatte zum Thema zivile Krisenprävention im Bundestag gezeigt – wird immer wesentlicher in der deutschen Außenpolitik. Dennoch richtet sich die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft meist erst dann auf bestimmte Länder, wenn dort eine Krise akut geworden und ein Konflikt ausgebrochen ist.

 

Die Vereinten Nationen spielen international eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht Konflikte rechtzeitig zu erkennen und mit zivilen Mitteln präventiv zu intervenieren. Die vielfältigen Instrumente, die die Vereinten Nationen über die Jahrzehnte entwickelt haben, um Konflikte zu verhindern oder diplomatisch zu lösen, stellen eine der wichtigsten Säulen der Arbeit der Vereinten Nationen dar. Zum Beispiel gibt es ein Team von internationalen Mediatoren, das innerhalb von Stunden einsatzbereit ist, um in sich zuspitzenden Konflikten Verhandlungen zu leiten. Wahlexperten stehen zur Verfügung, um Staaten bei der Vorbereitung und Durchführung demokratischer Wahlen zu begleiten. Sondergesandte des Generalsekretärs beobachten politische Prozesse und berichten an den Sicherheitsrat. Untersuchungskommissionen können entsandt werden, um strittige Ereignisse zu recherchieren.

 

Auf der anderen Seite des Spektrums steht der Wiederaufbau nach dem Ende von Krieg und Gewalt. Auch hier neigt die internationale Gemeinschaft dazu, sich zu früh wieder abzuwenden und ehemalige Kriegsschauplätze sich selbst zu überlassen. Auch hier koordinieren die Vereinten Nationen meist die Wiederaufbauanstrengungen nach Beendigung eines Konflikts, wenn Gesellschaften versuchen, zerstörte Infrastruktur, brachliegende Bildungs- und Gesundheitssysteme, den Sicherheitssektor und politisches Leben zu reaktivieren, oder überhaupt erst aufzubauen. Hier spielt unter anderem die Peacebuilding Commission eine wichtige Rolle, die helfen soll, die Zeit von der unmittelbaren Nothilfe bis zur längerfristigen Entwicklungshilfe auch finanziell zu überbrücken und damit die Weichen für eine friedliche Entwicklung zu stellen. Aber auch die zahlreichen Unter- und Sonderorganisationen der UN kommen hier zu tragen, indem sie Entwicklung koordinieren, Kinder fördern, Ernährungsprogramme organisieren oder auch humanitäre Hilfe leisten.

 

Wie der Stellvertretende UN-Generalsekretär während seines jüngsten Besuchs in Berlin ausführte, wäre die intensivere Beschäftigung mit der Konfliktprävention, aber auch dem Wiederaufbau, wesentlich um langfristig Stabilität zu schaffen.

 

Zur Erfüllung dieser vielfältigen zivilen Aufgaben sind die Vereinten Nationen auf qualifiziertes und einsatzbereites Personal angewiesen. Dies gilt sowohl für das VN-Sekretariat, für die Friedensmissionen, als auch die spezialisierten Unterorganisationen und Kommissionen. Dabei werden ein Teil der für internationale Bewerber verfügbaren Posten nach geografischem Proporz, andere durch einen globalen, standardisierten Bewerbungsprozess vergeben. Wiederum andere Posten, insbesondere in den Friedensmissionen aber auch zu einem geringen Teil im VN-Sekretariat, werden durch Sekundierungen vergeben, d.h. Mitgliedsstaaten müssen geeignete Spezialisten nominieren, z.B. Richter, Strafvollzugsbeamte oder auch Polizisten.

 

Lange Zeit gehörte Deutschland zu den im Sekretariat unterrepräsentierten Staaten. Erst seit Mitte 2013 liegt Deutschland knapp im sog. Sollstellenrahmen und besetzt 4,4% (128 von 2907) der sog. geografischen Posten. Großer Nachholbedarf besteht aber weiterhin insbesondere "vor Ort", in den friedenserhaltenden und politischen Missionen, aber auch den Entwicklungs- und humanitären Unterorganisationen der VN in aller Welt. Hier sind deutsche Mitarbeiter nur spärlich vertreten. Deutschland hat hier viel zu bieten, bleibt aber hinter den Möglichkeiten zurück, was die strategische Unterstützung und Vernetzung von Bewerberinnen und Bewerbern oder VN-Angestellten angeht. 

Gleichzeitig sind Einstiegsmöglichkeiten, Arbeitsbedingungen und Karrierewege bei den Vereinten Nationen in der Öffentlichkeit immer noch relativ unbekannt. 

Liste der geladenen Sachverständigen

Viviane Brunne
Vorsitzende des VDBIO – Verband deutscher Bediensteter bei internationalen Organisationen, Genf/Schweiz

Dr. Astrid Irrgang
Stellv. Direktorin des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), Berlin

Angela Kane
Hohe Repräsentantin der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen, New York/USA

Wolfgang Stöckl
Untergeneralsekretär und stellv. Vorsitzender der „International Civil Service Commission“ der VN, New York/USA

Dr. Wolfgang Weisbrod-Weber
Ehemaliger Leiter der UN-Mission in Westsahara, Hamburg/Deutschland

Dienstag, 16. Juni 2015
von 12.30 Uhr bis 15.00 Uhr 
Paul-Löbe-Haus
Sitzungssaal: PLH 2.800
Konrad-Adenauer-Str. 1, 10557 Berlin